PATRICK ALT

[ˈpru:nɪŋ]

Opening reception: Friday October 5th, 6 pm

Exhibition: 06.10.-28.10.2018

curated by Viktoria Wilhelmine Tiedeke

With every new work Alt's anti-oeuvre increases in fragmentation and perversion onto itself - partial objects that in their homelessness problematize contextualization and any exacting of process. (...) (Marc LeBlanc)

Patrick Alts künstlerisches Ausdrucksmittel ist die Malerei. Neben explizit malereiimmanenten Stil- oder Darstellungsfragen beschäftigen ihn insbesondere die Gattungsgeschichte der Malerei, ihre Selbstbezüglichkeit, sowie zeitgenössische Debatten um ihre wiederholt deklarierte und vermeintliche Überwindung. So sind es umso mehr abstrakte Fragestellungen zur Malerei, denn konkrete Genre-Motive des kunsthistorischen Kanons oder des traditionellen Tafelbildes, welche auf seinen Leinwänden zu finden sind: Malerei tritt ins Zentrum der Malerei selbst – aufgebäumt zum Darstellungswillen, als performative Qualität des malerischen Gestus, selbst Thema der Leinwand.
Zwischen der potenziellen Präsenz des Darstellungsgegenstandes und der unvermeidbaren Abstinenz des Dargestellten entsteht in der Abstraktion ein ambivalentes Spiel der Verborgenheit des Figurativen.

Pruning = Ausdruck für das Beschneiden (Zurechtstutzen) von Bäumen und Sträuchern.
In der Informatik, im Umfeld des maschinellen Lernens, wird der Ausdruck für das Vereinfachen, Kürzen und Optimieren von Entscheidungsbäumen verwendet.
Pruning = eine besondere Form der Synapsenliminierung, die zu einer Art Feinabstimmung der synaptischen Verbindungen führt. Dabei werden Verbindungen, die redundant oder nicht mehr funktional sind, abgebaut.

(Patrick Alt)

Die Motivik der eigens für die Münchner Ausstellung entstandenen 14-teiligen Serie Pruning ist streng in Tönen des Preußischblau gehalten und mit einem an den Abstrakten Expressionismus erinnernden intuitiv-en, jedoch bestimmten Gestus ausgeführt. Rahmengleich scheint sich diese Geste an die äußeren Kanten der groben Leinwand anzulehnen, während sie das Zentrum größtenteils unbeschrieben lässt. Die Verteilung der Farbe suggeriert ein Oben und Unten, in dem Assoziationen an tradierte Kompositionsschemata – etwa der Landschaftsmalerei – möglich werden. Damit tritt die Geste zugleich als Bild(-gegenstand), als (ihr eigener) Rahmen und als Material auf. Sie zitiert dabei drei konstituierende Elemente der klassischen Malerei. In Alts Pruning-Serie fallen diese ebenso zusammen, wie sie auch für sich genommen wahrgenommen werden, können: Farbe, Leinwand und Rahmen werden jeweils als eigenständige Elemente von Malerei präsent. Sie stehen im Sinne eines Ready Mades damit auch für sich. Materialität und Bildimmanenz überlagern sich, die Werke werden zum Vexierbild der Malerei.

Jenseits des bildästhetischen Spiels auf der Leinwand thematisieren die Titel der „Rahmenbilder“ Pruning und der Ausstellung [ˈpru:nɪŋ] gezielt die beiden Pole Darstellung und Materialität und werfen dabei auch phänomenologische Fragestellungen zur Malerei auf. Was zeigt uns ein Bild? Was vermag die Farbe auf der Leinwand aufzurufen? Was ist in Ausstellungen präsent? Was vermag ausgestellt zu werden?
Patrick Alts ambivalenter und bildreflexiver Umgang mit dem Thema Repräsentation entzieht sich letztlich der Möglichkeit einer eindeutigen Festschreibung und fordert zu einem spielerischen Umgang mit dem bildlichen Gegenüber auf. In aller Profanität wird so in dieser Ausstellung eine Auswahl Alts subjektiv getroffener Bildausschnitte ausgestellt die in dieser Form willkürlicher und doch prägnanter nicht sein könnten.

Zur Ausstellung erscheinen 10 Künstlereditionen, welche jeweils 5 Pruning Arbeiten umfassen.
Am 27. Oktober findet ein Workshop/Künstlergespräch statt.